Es gibt Themen, bei denen ich merke: Die gehören nicht nur auf maennerformat. Die gehören auch hierher. Auf meine persönliche Seite. In meinen Blog. Zu mir. Heute ist auf maennerformat ein Artikel zum Pride Month erschienen: „Sichtbar sein darf sich gut anfühlen“. Und während ich diesen Gedanken dort bewusst als Impuls für Männer formuliert habe, merke ich: Da steckt auch sehr viel von mir selbst drin.
Denn Sichtbarkeit ist für mich kein lautes Schlagwort. Kein Dauerfeuer aus Regenbogenfarben. Kein „Schaut alle her, hier bin ich“. Sichtbarkeit kann auch leise sein. Sie kann bedeuten, nicht mehr automatisch einen Schritt zurückzugehen. Sich nicht kleiner zu machen. Nicht jedes Wort im Kopf dreimal zu prüfen, bevor man es ausspricht. Nicht ständig zu überlegen, ob man gerade „zu viel“ ist, „zu offen“, „zu persönlich“ oder „zu sichtbar“. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum mir der Pride Month wichtig ist. Nicht, weil im Juni plötzlich alles bunt sein muss. Sondern weil er daran erinnert, dass es Menschen gibt, für die Sichtbarkeit lange keine Selbstverständlichkeit war. Und für viele noch immer nicht ist.
Ich bin ein Mann. Ich bin verheiratet. Ich schreibe. Ich lebe. Ich arbeite. Ich baue mir meine kleine öffentliche Bühne immer wieder neu. Mal mutiger, mal vorsichtiger. Mal mit breiter Brust, mal mit leisem Zweifel im Hinterkopf. Und vielleicht ist genau das ehrlich.
Sichtbar sein heißt für mich nicht, jeden Tag stark aufzutreten. Es heißt auch nicht, keine Angst vor Bewertung zu haben. Sichtbar sein heißt manchmal einfach nur: trotzdem da sein.
Mit dem eigenen Namen.
Mit der eigenen Geschichte.
Mit der eigenen Stimme.
Auf maennerformat schreibe ich viel über Männer, Alltag, Haltung und das Leben mittendrin. Der heutige Pride-Month-Artikel ist deshalb auch kein Fremdkörper. Er gehört genau dorthin. Weil Männlichkeit nicht enger werden muss, sondern weiter. Weil Männer unterschiedlich lieben, leben, fühlen, zweifeln, wachsen und sichtbar werden dürfen. Und weil echte Stärke für mich nie bedeutet hat, sich zu verstecken.
Vielleicht ist das auch ein Gedanke, den ich mir selbst immer wieder sagen muss: Du musst nicht warten, bis alles perfekt ist, um sichtbar zu sein. Du musst nicht warten, bis jeder Dich versteht. Du musst nicht warten, bis jeder applaudiert. Du darfst einfach anfangen, Deinen Platz einzunehmen.
Ruhig.
Echt.
Mit Haltung.
Und mit einem guten Gefühl.
Den Artikel auf maennerformat findest Du hier:
Sichtbar sein darf sich gut anfühlen
Vielleicht ist der Pride Month genau dafür da: nicht nur laut zu feiern, sondern auch leise zu erinnern. Dass wir da sind. Dass wir sein dürfen. Und dass Sichtbarkeit sich nicht immer wie Kampf anfühlen muss.
Manchmal darf sie sich einfach gut anfühlen.
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


