Am vergangenen Freitag hatte ich Besuch im Bad.
Keine Sorge. Keine Spinne. Kein Einbrecher. Es waren zwei Menschen. Zumindest in meinem Kopf. Eigentlich hatte ich etwas ganz anderes vor.
Nach einer langen und intensiven Schreibphase wollte ich bewusst Abstand gewinnen. Ein bisschen durchatmen. Mich einer anderen Geschichte widmen. Neue Figuren kennenlernen und einfach den Kopf freibekommen.
Das hat auch erstaunlich gut funktioniert. Eine Zeit lang. Und dann standen sie plötzlich wieder da. Nicht wirklich natürlich. Aber jeder, der schreibt, weiß vielleicht, was ich meine.
Man macht sich einen Kaffee. Geht ins Bad. Oder schaut einfach nur aus dem Fenster.
Und plötzlich ist da wieder dieser Gedanke. „Wie würde diese Szene eigentlich weitergehen?“
Aus einem Gedanken werden zwei. Aus zwei Gedanken entsteht eine Unterhaltung. Und ehe man sich versieht, sitzen die Figuren wieder mit am Tisch.
Seit diesem Freitag lässt mich die Geschichte nicht mehr los. Fast jeden Tag kommen neue Seiten dazu. Nicht, weil ich mir vorgenommen habe, weiterzuschreiben. Sondern weil die Geschichte offenbar beschlossen hat, dass sie noch nicht fertig mit mir ist.
Und ganz ehrlich? Ich liebe genau diese Momente. Es gibt Tage, da kämpft man um jeden Satz. Und dann gibt es diese Phasen, in denen alles plötzlich fließt. Man setzt sich an den Rechner. Schreibt. Löscht. Schreibt weiter. Und irgendwann schaut man auf die Uhr und fragt sich, wo der Tag geblieben ist. Ich glaube, genau deshalb liebe ich das Schreiben so sehr.
Nicht, weil es immer einfach ist. Sondern weil Geschichten manchmal ein Eigenleben entwickeln. Und weil man irgendwann merkt, dass man sie nicht mehr schreibt. Man begleitet sie nur noch. Und genau das fühlt sich gerade ziemlich gut an.
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen



