Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach sein würde, einen passenden Grabstein zu finden.
Ein seltsamer Satz. Ich weiß. Aber genau das ging mir heute durch den Kopf, als wir vom Steinmetz kamen. Am Samstag war es ein Jahr her, dass mein Schwiegervater gestorben ist. Ein Jahr. Man sagt das so schnell. Und trotzdem gibt es auch nach einem Jahr noch diese Dinge, die einen plötzlich wieder ganz unmittelbar daran erinnern, dass jemand nicht mehr da ist.
Heute war so ein Tag. Wir hatten einen Termin beim Steinmetz. Ein Grabstein musste ausgesucht werden. Allein dieser Satz fühlt sich für mich noch immer merkwürdig an. Man steht dort und schaut sich Steine an. Formen. Farben. Schriften. Man spricht darüber, was passen könnte und was nicht. Und dabei geht es eigentlich um einen Menschen.
Um jemanden, den man kannte. Mit dem man gesprochen hat. Gelacht hat. Den man erlebt hat. Und plötzlich versucht man, etwas zu finden, das bleiben soll.
Vielleicht hatte ich deshalb erwartet, dass dieser Termin schwerer werden würde. Aber er war angenehm. Ruhig. Sympathisch.
Und irgendwann hatten wir tatsächlich das Gefühl: Ja. Der passt. Das hat gutgetan. Nicht, weil damit irgendetwas abgeschlossen wäre. Ich weiß ohnehin nicht, ob Trauer irgendwann wirklich „abgeschlossen“ ist. Vielleicht verändert sie sich einfach.
Der Alltag kommt zurück. Man arbeitet. Man lacht. Man macht Urlaub. Man ärgert sich über Kleinigkeiten. Man trinkt irgendwo einen Kaffee. Und dann gibt es plötzlich wieder einen dieser Momente.
Ein Datum im Kalender. Ein Foto. Eine Erinnerung. Oder eben einen Termin beim Steinmetz.
Dann ist dieser Mensch für einen Augenblick wieder ganz nah.
Heute haben wir wieder eine dieser Aufgaben erledigt, die nach einem Tod irgendwann erledigt werden müssen.
Das Familiengrab bekommt seinen Stein. Seinen Namen. Seinen Platz. Und vielleicht ist das auch eine Form des Erinnerns.
Nicht nur zurückzuschauen. Sondern dafür zu sorgen, dass etwas bleibt.
Als ich danach zuhause einen Kaffee getrunken habe, war ich jedenfalls erleichtert. Wieder eine Hürde genommen. Und gleichzeitig musste ich daran denken, wie merkwürdig das Leben manchmal ist.
Man sitzt in der Sonne. Trinkt einen Kaffee. Der Alltag geht weiter.
Und ein Mensch fehlt trotzdem. Beides darf offenbar gleichzeitig wahr sein.
Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen


